Titel-Foto: Anika Nowak
Der eGovernment MONITOR der Initiative D21 zeigt Jahr für Jahr, wie weit die Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland vorangeschritten ist und wie zufrieden die Bürger*innen damit sind. Die aktuelle Ausgabe verdeutlicht: Die Bereitschaft der Bürger*innen ist da – jetzt zählt die Umsetzung.
Die Studie steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Digitales und Staatsmodernisierung, Dr. Karsten Wildberger. Als Premiumpartner der Studie begleitet Fsas Technologies diese wichtige Standortbestimmung zur digitalen Verwaltung seit vielen Jahren. Beim GovTalk 2026 wurden die Ergebnisse am 7. Oktober erstmals der Fachöffentlichkeit präsentiert. Gemeinsam mit Expert*innen aus Verwaltung, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wurden die Befunde eingeordnet und Handlungsfelder für die Verwaltungsdigitalisierung diskutiert.
Wer einmal digitale Angebote nutzt, nutzt sie auch wieder
Die zentralen Ergebnisse des diesjährigen Monitors zeichnen ein klares Bild: Es mangelt nicht an der Bereitschaft der Bürger*innen, sondern an der Qualität und Auffindbarkeit digitaler Angebote. Nur 26 Prozent der Bürger*innen haben ihr letztes Verwaltungsanliegen vollständig digital erledigt. Gleichzeitig würden 94 Prozent derjenigen, die den digitalen Weg genutzt haben, ihn beim nächsten Mal wieder wählen. Und wenn ein digital begonnener Prozess doch analog fortgesetzt werden musste, geschah das in 68 Prozent der Fälle unfreiwillig. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Wer digitale Verwaltungsangebote einmal erfolgreich nutzt, kommt wieder.
Die Auffindbarkeit digitaler Verwaltungsangebote bleibt ein zentrales Hindernis. 43 Prozent der Bürger*innen geben an, diese nicht oder seltener zu nutzen, weil die Suche zu lange dauert. 39 Prozent sind schlicht unsicher, ob die gewünschte Leistung überhaupt digital verfügbar ist. Das Bundesportal ist zwar inzwischen 42 Prozent der Deutschen bekannt, genutzt haben es aber nur 14 Prozent. In Österreich kennen hingegen 89 Prozent das zentrale Portal oesterreich.gv.at. Hinzu kommt die mobile Verfügbarkeit der Angebote. 35 Prozent der Bürger*innen nutzen digitale Verwaltungsangebote nicht oder seltener, weil sie auf dem Smartphone nicht ausreichend gut funktionieren.
Wenn die positiven Effekte bei den Bürger*innen im Alltag spürbar sind, wächst auch das Vertrauen in den Staat
Die Studie zeigt, dass bei digitalen Verwaltungsleistungen noch deutlich nachgebessert werden muss. Denn die Bürger*innen haben eine klare Erwartungshaltung an digitale Services des Staates. Sie erwarten, dass
- Verwaltungsleistungen ebenso einfach und bequem online nutzbar sind wie Angebote privater Unternehmen,
- der Staat aktiv über seine digitalen Angebote informiert und
- neue Technologien gezielt für eine höhere Effizienz der Verwaltung eingesetzt werden.
Während in Österreich rund 32 Prozent und in der Schweiz 45 Prozent der Bürger*innen der Meinung sind, dass die Verwaltung ihre Erwartungen an digitale Angebote erfüllt, sind es in Deutschland nur 15 Prozent, ein neuer Tiefstand. Das hat Konsequenzen: Das Vertrauen in den deutschen Staat sinkt weiter und liegt mit 32 Prozent ebenfalls auf einem neuen Tiefpunkt. Doch es gibt Grund zur Hoffnung, denn die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass das Vertrauen in den Staat wieder wachsen kann, wenn die positiven Effekte der Digitalisierung tatsächlich im Alltag der Bürger*innen ankommen. Bürger*innen, deren Erwartungen an eine moderne digitale Verwaltung erfüllt werden, vertrauen dem Staat zu 63 Prozent. Dass eine solche Trendwende möglich ist, zeigt Österreich. Dort ist das Staatsvertrauen nach einem deutlichen Einbruch wieder gestiegen.
Deutschland befindet sich dabei in den letzten Zügen eines entscheidenden Schritts: Mit der d-you Wallet entsteht ab dem 1. Februar 2027 ein zentraler, einheitlicher Zugang zur digitalen Verwaltung. Damit wird auf die Erwartungen von 62 Prozent der Bürger*innen eingegangen, die eine einheitliche Identifikationsmöglichkeit bevorzugen. Staatssekretär Dr. Markus Richter brachte es beim GovTalk 2026 auf den Punkt: „Die d-you Wallet wird zentraler Zugang zur digitalen Verwaltung und vereinfacht damit den Einstieg für Bürgerinnen und Bürger – und sie müssen sich dann auch nicht mehr mehrmals identifizieren.“ Gelingt dieser Schritt, fällt eine der großen strukturellen Hürden auf dem Weg zur digitalen Verwaltung weg.
Bürger*innen erwarten, dass der Staat KI einsetzt
Ein besonderes Augenmerk richtet der Monitor in diesem Jahr auf Künstliche Intelligenz (KI). 62 Prozent der Bürger*innen erwarten, dass der Staat neue Technologien gezielt für eine höhere Effizienz einsetzt. Denn auch die Nutzung KI-basierter Anwendungen im Alltag wächst. 34 Prozent der Deutschen nutzen sie inzwischen wöchentlich, vor zwei Jahren waren es noch 22 Prozent. Besonders verbreitet ist KI bei den Jüngeren: In der Generation Z nutzt bereits jede*r Zweite entsprechende Anwendungen mindestens einmal pro Woche, bei den Millennials sind es 43 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich ein ambivalentes Meinungsbild, in dem 58 Prozent Angst haben, durch KI benachteiligt zu werden. 55 Prozent sehen aber auch persönliche Vorteile.
Mit Blick auf den Einsatz in der Verwaltung überwiegt die Hoffnung auf positive Effekte vor allem bei der Bearbeitungszeit: 47 Prozent erwarten, dass sich Verwaltungsverfahren durch KI verkürzen. Auch bei der Gleichbehandlung und der Fehlerquote sehen mehr Menschen Verbesserungen als Verschlechterungen. Skepsis besteht dagegen insbesondere beim Schutz persönlicher Daten und bei der Frage, ob individuelle Ausnahmefälle angemessen berücksichtigt werden können.
Der Monitor zeigt damit: Die Offenheit gegenüber KI wächst, aber das Vertrauen in ihren konkreten Einsatz muss noch gestärkt werden. „Es kommt also nicht nur auf die Technik an, sondern, wie wir sie gestalten“, so Isabel Netzband, Director Government Relations & Public Policy bei Fsas Technologies.
Der eGovernment MONITOR 2026 zeigt damit nicht nur, wo Deutschland bei der Verwaltungsdigitalisierung steht, sondern vor allem, wo jetzt angesetzt werden muss: bei durchgängigen digitalen Prozessen, einer leistungsfähigen Infrastruktur und Services, die sich konsequent an den Bedürfnissen ihrer Nutzer*innen orientieren. „Die Digitale Transformation muss zu einer effizienten Verwaltung und überzeugender Citizen Experience führen, um das Vertrauen in den Staat und dessen Handlungsfähigkeit zu erhöhen. Als langjähriger Digitalisierungs- und Lösungspartner des Public Sectors unterstützen wir unsere Kunden mit dem dafür nötigen Branchenwissen durch unsere Consultants und einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur, Made in Japan“, so David Iwaniuk, Head of Public Sector Germany bei Fsas Technologies.
Zentrale Ergebnisse des eGovernment MONITOR 2026 im Überblick:
- Vertrauen in den Staat auf Tiefstand: Nur 32 Prozent der Deutschen vertrauen dem Staat. Bürger*innen, deren Erwartungen an digitale Verwaltung erfüllt werden, vertrauen dem Staat mehr als doppelt so häufig wie jene, deren Erwartungen nicht erfüllt werden.
- Wiederkehreffekt: 94 Prozent derjenigen, die den digitalen Weg genutzt haben, würden ihn beim nächsten Mal wieder wählen. Wer einmal digital geht, tut es auch weitere Male.
- Medienbrüche als größte Hürde: 68 Prozent der analogen Unterbrechungen bei digital begonnenen Prozessen sind unfreiwillig.
- Auffindbarkeit als unterschätztes Problem: 43 Prozent nutzen digitale Angebote nicht oder seltener, weil die Suche zu lange dauert. 39 Prozent wissen nicht, ob ihre gewünschte Leistung überhaupt digital verfügbar ist.
- Rückstand gegenüber den Nachbarländern: Nur 15 Prozent der Deutschen sehen ihre Erwartungen an digitale Verwaltung erfüllt. In Österreich sind es 32 Prozent, in der Schweiz 45 Prozent.
- Künstliche Intelligenz als Potenzial mit Vorbehalten: 62 Prozent erwarten, dass der Staat neue Technologien für mehr Effizienz einsetzt. Gleichzeitig haben 58 Prozent Angst, durch KI benachteiligt zu werden, während 55 Prozent aber auch persönliche Vorteile sehen.
Studie und Methodik
Der Monitor ist eine repräsentative Studie mit über 8000 Teilnehmer*innen in Deutschland und jeweils 1000 Befragten in den Nachbarländern Österreich und der Schweiz.
Die gesamten Studienergebnisse finden Sie hier: Initiative D21 – eGovernment MONITOR 2026.

