Dieses Interview ist ein Teil der Reihe „Fragen, die Türen öffnen – Expertengespräche mit dem Consulting-Team von Fsas Technologies“. Alle Beiträge finden Sie unter dem Hashtag Expertengespräche Consulting.

Kill-Switch-Risiken. KI-Budgets, die schneller schmelzen als geplant. Lieferketten, die an Wasserständen hängen. Und mittendrin Unternehmen und öffentliche Verwaltungen, die einfach nur wissen wollen: Was ist gerade wirklich wichtig?

Genau hier setzt Sophia Henter an, Head of Consulting Germany. Sie verantwortet alle sechs Consulting-Bereiche – von Hybrid IT über KI & Daten bis Security – und blickt auf das große Ganze statt auf Einzelthemen. Im Gespräch erklärt sie: Digitale Souveränität ist für sie kein eigenes Beratungsthema. Vielmehr bildet sie den Rahmen für alle Consulting-Bereiche und kann in jedem einzelnem wirken.

Digitale Souveränität als Overlay, nicht als Extra-Thema

Sophia, digitale Souveränität taucht bei Fsas Technologies überall auf – als eigenes Beratungsthema führst du es aber gar nicht.

Bewusst nicht. Ich sehe das als Overlay, das insbesondere über Hybrid IT, KI und Security liegt, statt danebenzustehen. Wir haben ein Assessment entwickelt, mit dem Kunden ihre Abhängigkeiten bewerten – etwa das Risiko eines Kill-Switches (der Möglichkeit, dass ein Anbieter Software oder Dienste von außen abschaltet oder sperrt), fehlende Datenkontrolle oder die Abhängigkeit von einzelnen amerikanischen oder chinesischen Anbietern.

Danach entscheiden wir gemeinsam, welche Abhängigkeiten reduziert werden sollen und welche Alternativen infrage kommen. Das kann zum Beispiel Proxmox statt VMware sein oder ein souveränes Cloud-Angebot eines deutschen oder europäischen Partners wie Ionos, Deutsche Telekom oder Schwarz Digital. Die Umsetzung läuft über bestehende Beratungsangebote.

Digitale Souveränität ist also aktuell keine eigene Practice, sondern ein Rahmen für unsere Expertise und auch ein Türöffner-Thema bei unseren Kunden.

Was treibt Kunden dabei aktuell am meisten um?

Ganz pragmatisch: Welche Alternativen gibt es zu meiner heutigen Cloud- oder Plattformwelt, und wie komme ich aus bestehenden Abhängigkeiten heraus? Eine Alternative muss dabei zuerst funktional überzeugen – erst dann souverän sein. Digitale Souveränität allein reicht nicht.

Humanoider Roboter schaut in den Himmel an einem See.

Grafik Ki generiert

Zwischen Innovationsdrang und Kontrollbedürfnis

Wo liegt für Eure Kunden aktuell die größte Zerreißprobe?

Zwischen dem Wunsch nach Cloud- und KI-getriebener Innovation und einem sicheren, kontrollierbaren, budgetierbaren und souveränen Betrieb. Kunden brauchen Transparenz darüber, welche Anwendungen und Daten wo laufen – eigenes oder externes Rechenzentrum, Outsourcing, Cloud – und wer dort Betrieb, Zugriff und Kosten kontrolliert. Die Entscheidung für eine Alternative hängt zudem an Budget, Kompetenzen sowie rechtlichen und vertraglichen Rahmenbedingungen: Manche Kunden lösen bestimmte Business Applications nicht kurzfristig ab, weil ihre Mitarbeitenden im IT-Betrieb genau darauf spezialisiert sind. Auch Sicherheits-, Rechts- und Vertragsrisiken gehören zwingend mit in die Betrachtung. Auch hier gilt wieder, dass es weitaus mehr ist als eine rein technologische Betrachtung.

KI ohne Illusionen

Ein besonders wichtiges Beispiel für dieses Spannungsfeld ist der Einsatz von KI. Neben Innovation und Kontrolle rückt dabei zunehmend der wirtschaftliche Nutzen in den Fokus. Wie zufrieden sind Kunden bislang mit dem, was KI wirtschaftlich tatsächlich bringt?

Gemischt. Viele haben aus hohen Erwartungen und der Sorge, etwas zu verpassen, Budgets bereitgestellt und arbeiten mit KI Agents und Large Language Modellen. Erste Kunden stellen aber fest, dass die Produktivität nicht wie versprochen steigt und erhoffte Personaleinsparungen ausbleiben – auch weil KI-Anwendungen weiterhin erfahrene Fachkräfte brauchen, die Ergebnisse bewerten und Systeme steuern. Dazu kommt die Kostenseite. Für Endkunden drückt sich das in Preis pro Token aus. Für die Service-Provider erhöhen KI-Workloads den Bedarf an Chips, Speicher, Strom und Kühlung, sodass Investitionen um ein Fünf- bis Zehnfaches höher ausfallen können als kalkuliert – und genau hier wird gern unterschätzt, dass es auch eine Nachhaltigkeitsfrage ist. Wie sich dafür eine belastbare Datenbasis schaffen lässt, beschreibt mein Kollege André Lambor in seinem Interview zu nachhaltigen Rechenzentren.

Und dann ist da noch die Marktmacht der großen Anbieter.

Ein Aspekt, der leicht übersehen wird. Wenn der Ressourcenbedarf von KI-Unternehmen kleinere Infrastrukturhersteller verdrängt, dominieren wenige Hyperscaler den Markt – und diese Marktmacht wirdwird oft genutzt, um KI-Funktionen in bestehende Produkte einzubauen und Kunden zu teureren Lizenzstufen zu bewegen. Umso wichtiger ist es, KI so einzusetzen, dass der Mensch die Kontrolle behält: Er prüft die Ergebnisse und trifft die relevanten Entscheidungen.

Human-in-the-Loop als Gestaltungsprinzip

Wie sorgt ihr dafür, dass KI Mitarbeitende unterstützt, statt sie zu ersetzen – und was bedeutet das für Prozesse?

Mit genau einem konsequent menschenzentrierten Ansatz. In verschiedenen Kundenprojekten stand genau diese Arbeitsteilung im Mittelpunkt: KI übernimmt Routineaufgaben, während Entscheidungen und fachliche Verantwortung beim Menschen bleiben. Dafür haben wir den Workshop „AI and Me“ entwickelt, in dem wir beleuchten, wie sich aktuelle Rollen und Tätigkeiten durch KI verändern und verschieben. Außerdem werden wiederkehrende Tätigkeiten erfasst und bewertet, welche davon KI unterstützen kann – das kann Rollen weiterentwickeln und etwa flexiblere Arbeitszeitmodelle ermöglichen. Bei der Prozessgestaltung zeigt sich das Prinzip beispielsweise an einem digitalen Unterschriftenprozess: Lineare Automatisierung wird problematisch, sobald Rückfragen den Prozess komplett neu starten lassen. Gute Automatisierung berücksichtigt solche Ausnahmen von Anfang an und legt fest, wann ein Mensch prüfen oder entscheiden muss.

Fokussierung statt Hype

Bei so vielen Baustellen – wie behalten Eure Kunden den Fokus?

Indem sie sich regelmäßig fragen, was tatsächlich dringend ist, statt jedem Trend hinterherzulaufen. Vor jeder neuen Technologie sollten Nutzen, Kosten, Kontrollierbarkeit und Ressourcen geprüft werden. Und was viele überrascht: Stabilität kann eine völlig legitime Antwort sein. Eine Versicherung hat mit uns geprüft, ob Cloud-Services echten Mehrwert bieten – und sich bewusst gegen Veränderung entschieden, weil ihre beiden redundanten Rechenzentren einen stabilen Betrieb gewährleisten und die Betriebsmannschaft sehr gut aufgestellt ist. Das ist keine Ausrede, sondern eine gleichwertige Option neben jedem Transformationsvorhaben – solange sie auf ehrlicher Bewertung beruht, nicht einfach auf Festhalten am Status quo.

Welche drei Quick Wins empfiehlst du Unternehmen und öffentliche Verwaltungen für den Einstieg?

Drei Schritte, mit denen ich beginnen würde:

  1. Abhängigkeiten sichtbar machen. Ein strukturiertes Assessment schafft die Grundlage, bevor über Alternativen gesprochen wird. Außerdem hilft es deutlich zu machen, welche Risiken es gibt und wie diese bewertet werden.
  2. Digitale Souveränität und Betrieb zusammen denken. Das ist keine Eintagsfliege, sondern eine Fähigkeit einen stabilen Betrieb zu gewährleisten, wenn es zum Äußersten kommt. Dafür sollte man eine Notfallstrategie definiert und die nötigen Maßnahmen getroffen haben.
  3. Jede Priorität regelmäßig neu prüfen.  Entwicklungen passieren so schnell, dass getroffene Entscheidungen regelmäßig überprüft werden sollten vor dem aktuellen Hintergrund.
Digitale Brücke die über mehrere Berge verläuft

Grafik Ki generiert

Woran erkennen Eure Kunden, ob sie ihre digitale Souveränität aktiv steuern oder nur dem Trend folgen?

Diese fünf Fragen bieten eine Standortbestimmung:

  1. ✓ Kennen Sie Ihre kritischen Abhängigkeiten?
  2. ✓ Haben Sie geprüft, welche Alternativen realistisch verfügbar sind?
  3. ✓ Fließen Sicherheits-, Rechts- und Vertragsrisiken in Ihre Bewertung ein?
  4. ✓ Wissen Sie, wo Menschen zwingend in Prozesse eingreifen müssen?
  5. ✓ Prüfen Sie neue Trends gegen Nutzen, Kosten und Ressourcen?

Drei oder mehr „Nein“? Dann lohnt sich ein Gespräch darüber, wie Sie Orientierung und Fokus zurückgewinnen.

Sophia, vielen Dank für die vielschichtigen Einblicke in deine Arbeit.

Öffnen Sie Türen – und gehen Sie hindurch

Digitale Souveränität bildet den gemeinsamen Rahmen für die Fsas Technologies Consulting Practices von Fsas Technologies – von Hybrid IT und KI bis hin zu Security und nachhaltigen Rechenzentren. Genau wie auch Unternehmen ihre Fähigkeiten und Kompetenzen gezielt zusammenführen müssen, um ihre Ziele zu erreichen. Digitale Souveränität heißt nicht, jede Technologie selbst zu betreiben. Es geht darum, Risiken zu bewerten, daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten und den Zugriff auf geschäftskritische Daten und Prozesse auch im Notfall zu sichern.

Dabei begleitet Fsas Technologies Consulting ihre Industrie-Kunden und den öffentlichen Sektor durch die vielfältigen aktuellen Herausforderungen, gibt ihnen Orientierung und Fokus und unterstützt sie bei der Umsetzung.

Weiterführende Informationen zu den Beratungsangeboten von Fsas Technologies finden Sie auf unserer Webseite zum IT-Consulting für resiliente, skalierbare und nachhaltige IT-Infrastrukturen.

Ihre Ansprechpartnerin

Sophia HenterSophia Henter ist Head of Consulting Germany bei Fsas Technologies und verantwortet fünf Consulting-Bereiche. Mit ihrem Team hilft sie Unternehmen und dem Public Sector unter anderem dabei, Abhängigkeiten zu bewerten und digitale Souveränität als strategischen Rahmen für konkrete, umsetzbare Prioritäten zu nutzen.


Dieser Artikel enthält KI-generierte Bilder.

Autor

  • Simone Selbmann

    Simone Selbmann ist Marketing Partner für Consulting & Infrastructure Services. Ihr Anliegen: IT-Services mit Herz und Verstand nach vorne bringen! Mit allen Facetten – aber vor allem viel Content, Mehrwert, geballtem Expertenwissen und Spaß .

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